Informationen und FAQ

Bild zeigt liegenden Vogel vor einer Glasscheibe
Vogel nach Aufprall gegen eine Glasscheibe

Das stille Massensterben

Jedes Jahr sterben in Deutschland über 100 Millionen Vögel durch Kollisionen mit Glasscheiben – mehr als 5 % aller Vögel, die hierzulande im Jahresverlauf vorkommen. Sterben Elterntiere, verhungert auch ihr Nachwuchs im Nest. Dabei ist Vogelschlag nur eine von vielen Bedrohungen: Flächenversiegelung, Pestizide, artenarme Gärten, Rodungen und Windkraftanlagen setzen den Beständen zusätzlich zu. Fast jede zweite in Deutschland brütende Vogelart gilt bereits als gefährdet. Das ist kein abstraktes Naturschutzproblem: Vögel fressen Schädlinge, bestäuben Pflanzen, verbreiten Samen und verbessern nachweislich das menschliche Wohlbefinden.

Gefahrenstellen
Typische Gefahrenstellen im Siedlungsraum

Panoramafenster töten, was sie zeigen wollen.

Glas ist für Vögel unsichtbar. Sie erkennen weder die Scheibe noch die Gefahr – sie sehen nur den Himmel, die Bäume, den Garten dahinter. Spiegelnde Fassaden täuschen freie Flugbahn vor. Durchsichtige Eckverglasung oder Glaskorridore lassen Vögel geradeaus fliegen – direkt in die Scheibe. Typische Gefahrenquellen sind: - Fenster mit Bäumen oder Grünflächen dahinter oder davor - Spiegelnde Fassaden, Lärmschutzwände, Windschutzwände - Verglaste Ecken, Wintergärten, Balkongeländer aus Glas - Gewächshäuser, Tiefgaragenaufgänge, Bushaltestellen aus transparentem Material Je größer die Glasfläche und je mehr Grün in der Umgebung, desto höher das Risiko.

Warum bleibt so vieles unbemerkt?

Verunglückte Vögel werden selten gefunden. Viele flüchten sich in nahegelegene Verstecke und sterben dort unbemerkt. Andere werden von Aasfressern verschleppt. Nur gelegentlich hinterlassen Kollisionen sichtbare Gefiederabdrücke an der Scheibe. Der Vogelschlagmelder Euskirchen macht das unsichtbare Problem sichtbar – durch gemeinschaftliches Melden entstehen Gefahrenkarten, die zeigen, wo Handlungsbedarf besteht.

Was ist Vogelschlag?

Als Vogelschlag bezeichnet man Kollisionen von Vögeln mit Glasscheiben und anderen transparenten oder spiegelnden Flächen. Vögel sind nicht in der Lage, Glas als Hindernis wahrzunehmen. Sie fliegen in voller Geschwindigkeit auf, was häufig zum Tod oder zu schweren inneren Verletzungen führt – auch wenn der Vogel danach noch kurz weiterläuft.

Ist Vogelschlag wirklich ein großes Problem?

Ja. In Deutschland ist es nach Hauskatzen die zweithäufigste vom Menschen verursachte Todesursache für Vögel. Über 100 Millionen Tiere sterben jährlich allein durch Glasscheiben. Betroffen sind nicht nur häufige Arten – auch seltene Zugvögel aus der freien Landschaft verunglücken auf ihren Wanderrouten mitten im Siedlungsraum.

Was soll ich tun, wenn ich einen verletzten Vogel finde?

Wenden Sie sich sofort an die Wildtierhilfe Nordeifel: 📞 06557 900 98 79 Halten Sie folgende Informationen bereit: - Genauer Fundort - Was ist passiert? - Welche Vogelart (falls erkennbar)? Bleiben Sie am Fundort, bis die Hilfe organisiert ist – nur so kann das Tier schnell gefunden und versorgt werden. Den Vogelschlag bitte anschließend hier im Melder eintragen, damit die Gefahrenstelle dokumentiert wird.

Logo Wildtierhilfe

Ist Vogelschlag strafbar?

Das Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 Abs. 1) verbietet es, wildlebende Tiere zu verletzen oder zu töten. Wer weiß oder wissen müsste, dass seine Glasflächen ein erhöhtes Tötungsrisiko darstellen, und nichts dagegen unternimmt, bewegt sich rechtlich in einer Grauzone. Bei Neubauten ist nach § 44 Abs. 5 BNatSchG zu prüfen, ob Schutzmaßnahmen erforderlich sind.

Vogelschutzmarkierung auf einer Glasfläche
Vogelschutzmarkierung auf einer Glasfläche

Was kann ich gegen Vogelschlag tun?

Die gute Nachricht: Vogelschlag ist weitgehend vermeidbar. Wirksame Maßnahmen umfassen: **Markierungen auf der Außenseite der Scheibe** - Punkte- oder Streifenmuster mit max. 10 cm Abstand (horizontal) bzw. 5 cm (vertikal) - Spezielle Vogelschutzfolien oder -lacke - UV-reflektierende Beschichtungen (für Vögel sichtbar, für Menschen kaum) **Strukturelle Maßnahmen** - Außenliegender Sonnenschutz (Rollladen, Jalousien, Markisen) - Milchglas oder satiniertes Glas statt klarer Durchsicht - Vogelschutzglas mit integrierter Markierung direkt beim Neubau **Nicht wirksam:** - Einzelne Aufkleber (z. B. Greifvogelsilhouetten) - Vorhänge oder Pflanzen auf der Innenseite allein Weitere Tipps finden Sie auf der NABU-Seite zu Vogelschutzmaßnahmen: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/voegel/helfen/01079.html

Beispiele für Glasgestaltung
Beispiele für Schutzmaßnahmen gegen Vogelschlag

Warum einen Vogelschlag melden, wenn der Vogel schon tot ist?

Jede Meldung hilft, die Gefahrenkarte zu vervollständigen. Wo viele Kollisionen gemeldet werden, kann gezielt auf Eigentümer zugegangen werden. Nur was dokumentiert ist, lässt sich auch politisch und rechtlich adressieren. Ihre Meldung ist kein bürokratischer Akt – sie ist ein konkreter Beitrag zum Vogelschutz im Kreis Euskirchen.

Welche Vögel sind besonders betroffen?

Im Siedlungsraum trifft es vor allem Mehlschwalbe, Mauersegler, Grünfink, Rotkehlchen und Haussperling. Auf Zugwegen verunglücken auch seltenere Arten wie Waldschnepfe, Eisvogel oder Sperber. Es gibt keine Vogelart, die von Vogelschlag ausgenommen wäre.

Warum erscheint meine Meldung nicht auf der Gefahrenkarte?

Jede Meldung hat ihre Relevanz und wird von uns gesichtet. Die Gefahrenkarte zeigt nicht jede einzelne Meldung. Sie bündelt Gefahrenstellen und stellt diese bei Häufung in der Karte dar. Das unterstreicht unsere Intention: Der Vogelschlagmelder ist kein digitaler Pranger, sondern versteht sich als Instrument, um Gefahrenstellen auszumachen und diese bestenfalls zu beseitigen. Außerdem bietet der Vogelschlagmelder Informationsmöglichkeiten zur vogelfreundlichen Glasgestaltung.